Als Patient im Ausland
Als erfahrene Camper sind wir stets auf die verschiedensten Situationen eingestellt. Ganz gleich ob es tagelang regnet, eine Hitzewelle übers Land schwappt, ein Reifen während der Fahrt platzt oder sich jemand ein Bein bricht – mit allem kommen wir zurecht und wissen uns zu helfen.
Einmal jedoch mussten wir unseren Caravan-Urlaub durch Frankreich abbrechen, weil für uns alle die Fahrt immer mehr zur Tortur wurde. Das lag daran, dass eine Freundin während der Reise an einer Blasenentzündung erkrankte und sie deshalb ständig pinkeln wollte. Das war in unserem nostalgischen Wohnwagen etwas schwierig, weil wir darin keine Toilette hatten. Also hielten wir an jeder Raststätte und jedem Parkplatz an, damit sich Susi Erleichterung verschaffen konnte. Als es auch am zweiten Tag nicht besser wurde, suchten wir in einer kleinen Stadt einen Arzt auf, der jedoch kein Deutsch verstand und wir aufgrund unserer mangelnden Französischkenntnisse auch nur schwer verständlich machen konnten, warum wir hier waren. Er verschrieb ein Antibiotikum und stellte uns dafür 50,00 Euro in Rechnung, die wir praktischerweise per EC-Cash Bezahlung sofort begleichen konnten.
Doch leider ging es Susi trotz der Medikamente am nächsten Tag nicht besser. Ständig musste sie in die Büsche obwohl gar nichts herauskam. Wir einigten uns deshalb darauf, die Heimreise anzutreten und damit wenigstens diese schneller voranging, kauften wir im nächsten Supermarkt noch ein Päckchen Windeln für Erwachsene. Gleich nach unserer Rückkehr suchte Susi ihren Urologe in Berlin Charlottenburg auf, erklärte ihr Problem und zeigt auch das vom französischen Arzt verordnete Medikament. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um ein Mittel zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten handelte – kein Wunder also, dass Susis Blasenschwäche dadurch nicht besser wurde. Dennoch bekam sie das Geld für ihren Arztbesuch in Frankreich von ihrer Krankenversicherung erstattet. Na wenigstens ein kleiner Trost für die entgangenen Urlaubsfreuden.
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